Stress und Stresserkrankungen

Stress und Stresserkrankungen – der Einfluss der Stresshormone und Neurotransmitter

Beitrag von Frau Heilpraktikerin Yvonne Fitzner

Die heutige Gesellschaft ist bedingt durch die moderne Lebensweise dauerhaftem Stress ausgesetzt. Mittlerweile leidet jeder Vierte unter häufigem Stress (1). Die Auswirkungen insbesondere von lang anhaltendem Stress können eklatant sein und sowohl körperlich als auch psychisch krank machen. Die Bandbreite reicht hier von Erschöpfungszuständen bis zur Ausbildung einer Depression. Im Körper kann sich Stress in Form von Rückenschmerzen, Magenproblemen bis hin zu ausgeprägten Herz-Kreislaufstörungen/Herzinfarkt manifestieren.

Was ist Stress?

Im Alltag empfinden wir Stress, wenn wir in Situationen der Überforderung oder einer Bedrohung geraten. Aus der wissenschaftlichen Sicht wird Stress als ein Zustand beschrieben, der sich aus der individuellen Wahrnehmung auf bestimmte Reize (Stressoren) entwickelt. Die Reaktion auf auslösende Stressoren kann sowohl psychisch als auch physisch sein und in der Folge können sich verschiedene Belastungen einstellen (3). Im Grunde genommen ist Stress ein Sammelbegriff für unspezifische Reaktionen eines Individuums auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird und ein Gefühl der Überforderung hervorruft (6).
Weiterhin kann man Stress in akuten Stress und chronischen Stress unterteilen.
Unter akutem Stress versteht man eine Situation, die kurzfristig Stress auslöst und wenige Sekunden bis maximal eine Stunde anhält. Hierbei wird insbesondere das sympathische Nervensystem aktiviert. Es kommt zur Freisetzung von Stresshormonen. Der Organismus wird so in Alarmreaktion versetzt, um bei Belastungen oder Bedrohungen entsprechend reagieren zu können (Kampf oder Flucht).

Im Gegensatz zum akuten Stress handelt es sich bei chronischem Stress um lang andauernde oder häufig wiederkehrende Belastungen, die zu einer dauerhaften Aktivierung der hormonellen Stressachse führen können. Die Betroffenen sind wiederholt unterschiedlichen Stressoren wie Stress am Arbeitsplatz oder andauernde Konfliktsituationen in nahestehenden Beziehungen ausgesetzt. Es kann dann kaum bis keine Entspannungs- bzw. Erholungsphasen entstehen. Chronischer Stress kann sehr langsam, bzw. schleichend entstehen. Ein erkennbarer Beginn ist meist nicht zu verzeichnen. Chronischer Stress kann aufgrund der neuroindokrinen Wirkung, der belastenden Auswirkung auf das Nervensystem und des Immunsystems gesundheitsschädigend sein (7).

Welche Ursachen können Stress auslösen?

Es gibt unterschiedliche Ursachen, die Stress auslösen können. Hierzu zählen:

    1. Physikalische Faktoren: hierzu zählen u.a. Hitze, Lärm, UV-Strahlungen oder Reizüberflutung
    2. Chemische Faktoren, wie toxische Bestandteile von Zigarettenrauch, Alkohol, Autoabgase u.v.m.
    3. Beruflicher Stress: Mobbing, Arbeitssituation, Arbeitsplatzsicherheit, Überforderung oder Unterforderung, Konkurrenz, zwischenmenschliche Konflikte usw.
    4. Sozialer Stress: Beziehungskrisen, Tod von nahestehenden Personen, Krankheit, eigene und fremde Erwartungshaltungen, Angst vor sozialem Abstieg oder Ausgrenzungen (4).

Auswirkung von Stress auf den Körper

Bei einer akuten Stresssituation sind vor allem Hormone beteiligt, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben. Zu den Stresshormonen zählen Adrenalin, Noradrenalin, Kortisol und DHEAS (Dehydroepiandrosteron). Im Folgenden werden die Stresshormone kurz in ihrer Wirkweise vorgestellt.

  • Die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin haben eine Blutdruck- und Blutzuckerspiegelsteigernde Wirkung. Auch sorgen sie für eine Erhöhung des Herzschlages und Erweiterung der Bronchien, um mehr Sauerstoff aufnehmen zu können.
  • Kortisol hat ebenfalls eine Blutdruck – und Blutzuckersteigende Wirkung. Auch hat es einen Einfluss auf den Gehirnstoffwechsel. Es führt dazu, den Körper während eines akuten Stresserlebens in Alarmbereitschaft zu versetzen.
  • DHEA ist der Antagonist (Gegenspieler) des Kortisol. Es sorgt dafür, dass das Stresssystem außer Kontrolle gerät.

Insbesondere bei chronischem Stress kann es zu einer kontinuierlichen Ausschüttung von Kortisol kommen und somit die Entstehung von Krankheiten begünstigen.
Folgen von chronischem Stress können sich auf physischer Ebene wie folgt zeigen:

  • Rückenschmerzen
  • Magenprobleme, Verdauungsbeschwerden
  • Herzrasen
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • erhöhte Hormonausschüttung
  • Kardiovaskuläre Schäden (Bluthochdruck, Herzinfarkt, etc.)
  • Diabetes u.v.m.
  • Leistungsschwäche
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Chronische Schmerzen (Fibromyalgie, Migrän, Kopfschmerzen)
  • Inflammation
  • etc.(2)

Die Symptome für chronischen Stress sind vielfältig und können sich individuell bei Betroffenen zeigen.
Es kann aber auch zu psychischen Erkrankungen kommen:

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Substanzmittelmissbrauch
  • Schlafstörungen, etc.

Zu beachten ist allerdings, dass Stress weniger als Ursache, sondern eher ein unspezifisch wirkender Cofaktor bei der Entstehung der voran genannten Erkrankungen ist. Es wird heutzutage angenommen, dass ein Hauptfaktor in der nicht abgebauten Energie zu verorten ist, die dabei entsteht, wenn es in Stresssituationen zu den typischen Kampf- und Fluchtreaktionen des Körpers kommt. Weiterhin ist die geschwächte Immunkompetenz des Körpers zu erwähnen, die bei andauerndem Stress entstehen kann. Dies kann sich u.a. in wiederkehrenden Infekten oder anderen Erkrankungen widerspiegeln (5).

Welchen Einfluss hat chronischer Stress auf die Stresshormone und Neurotransmitter?

Chronischer Stress führt zu einer dauerhaften Aktivierung der hormonellen Stressachse (HHNA). Demnach ist der nächtliche und der frühmorgendliche Cortisol-Spiegel höher als im Normalzustand. Auch der typische Cortisol-Tages-Rhythmus kann bei chronischem Stress negativ beeinflusst werden, was sich z.T. in chaotischen Kurvenverläufen widerspiegeln kann. Auch hat ein andauernder Cortisolüberschuß einen Einfluss auf die Glukkokortikoide (Beeinträchtigung der Funktion der Glukkokortikoid-Rezeptoren). Weiterhin werden auch andere Neurotransmitter (wie Dopamin, GABA, Serotonin) und Hormone in ihrer Funktion negativ beeinflusst. Das Ungleichgewicht der Neurotransmitter hat einen nicht unerheblichen Einfluss in Bezug auf das Auftreten vieler Gesundheitsstörungen (wie z.B. Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Migräne, Schlafstörungen oder Angstzustände). (4)

Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es?

Zur Bestimmung der individuellen Stressbelastung gibt es unterschiedliche Diagnosemöglichkeiten. Zur empfohlenen und bewährten Diagnostik zählen Speicheltestungen, Urintests und Bluttestungen. Im Folgenden werden einige Speichelprofile exemplarisch vorgestellt. Sie eignen sich u.a. bei vorhandener chronischer Stressbelastung, Schlafstörungen, chronischer Erschöpfung, Infektanfälligkeit, Angstzuständen, Depressionen oder chronischen Schmerzzuständen.

Cortisol🔗
Cortisolkonzentrationen können anhand von Speichelproben oder Blutabnahme gemessen werden.

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Literaturverzeichnis
Ernst, G., Franke, A., & Franzkowiak, P. (2022). Stress und Stressbewältigung. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). (5)
Hermann, C.; (2022). Chronischer Stress. In Wirts, M, A. (Hg.): Dorsch Lexikon der Psychologie. https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/stress-chronischer (7)
Kirkamm, R.; Lennerz, A.; Mayer, J. (2022). Stresshormone und Neurotransmitter. GANZIMMUN Diagnostics GmbH. Mainz (4)
Milek, Anne; Brodmann, Guy, (2018). Stress – von der Entstehung bis zu den Auswirkungen. In: Maritta Mainka-Riebel (Hg.): Stressmanagement – Stabil trotz Gegenwind. Wiesbaden: Springer Wiesbaden, S.45-105. (2)

Sambale, T., & Einteilung, K. (2022). 16.8 Stress: Folgen und Bewältigung. In Klausmeier, M.(Hg.): Prüfungswissen Notfallsanitäter, S. 474-480. (6)
Schünemann, A. (2020). Der Faktor Stress: Nur gut gemeint? Top im Gesundheitsjob. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/ 0.1007/978-3-662-60574-5_4 (3)
Techniker Krankenkasse, (2021). Entspann dich, Deutschland! - TK Stressstudie 2021. Verfügbar unter:https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/tk-stressstudie-2021-2116458?tkcm=aaus (1)