Reaktive Belastungen auf Borrelien

Reaktive Belastungen auf Borrelien

Leider ist die Situation nicht immer so eindeutig. Häufig ist ein Zeckenstich nicht erinnerlich oder wird bei chronischen Infektionen, die auch Monate bis Jahre nach einem solchen Stich auftreten können, nicht mit dem vorliegenden Beschwerdebild in Verbindung gebracht. Auch ist das Beschwerdebild nicht immer typisch und spezifisch. Aus diesem Grund ist es in der Regel notwendig durch Diagnostik im Labor zusätzliche Informationen zu erhalten.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen direktem und indirektem Erregernachweis.

A. Der direkte Erregernachweis bleibt speziellen Fragestellungen vorbehalten, da er sehr aufwändig ist und trotzdem je nach Fragestellung nur eine eingeschränkte Sensitivität aufweist.

Normalerweise werden zwei Methoden angewandt:

  1. Anzucht der Borrelien in speziellen Nährmedien. Vorteil der Methode ist, dass das Borrelienisolat für weitere Tests zur Verfügung steht. Der Nachteil ist jedoch, dass die Anzucht sehr lange dauert und möglicherweise nicht alle Borrelienuntergruppen gleich gut wachsen.
  2. Nukleinsäure Amplifikationstechniken (NAT) z.B. mittels Polymerasekettenreaktion (PCR). Der Vorteil dieser Methode ist, dass heutzutage sehr schnell (innerhalb 1-2 Tagen) ein Ergebnis verfügbar ist. Ein zweiter Vorteil gegenüber der Anzucht ist, dass in verschiedenen Körpermaterialien eine höhere Empfindlichkeit erreicht wird. Nachteile der Methode sind zum einen, der relativ hohe Preis und die Gefahr, dass neue Borrelienuntergruppen möglicherweise nicht erkannt werden.

Abgesehen von Proben aus der Haut sind beide Methoden bezüglich Ihrer Empfindlichkeit nicht optimal.

B. Aus diesen Gründen basiert die Borreliendiagnostik vor allem auf dem indirekten Erregernachweis. Dabei handelt es sich um die Immunreaktion des Körpers auf die Infektion mit Borrelien. In der Regel werden hier die gegen Borrelien gebildete Antikörper gemessen. Es handelt sich um eine serologische Diagnostik.

 

3.1. Antigene in der Borreliendiagnostik

Zum Nachweis von Antikörpern gegen Borrelien wurden zunächst lediglich Vollantigene verwendet. Diese kamen und kommen bei der Herstellung von Objektträgern für den IIFT und als Lysat-Vollantigene zur Herstellung von ELISA und IB zum Einsatz. (siehe Streifen 1-3, Abb. 1)

Heute werden hierfür unterschiedliche Borrelienstämme verwendet: Während früher hauptsächlich die in Nordamerika vorkommende Borrelia burgdorferi sensu stricto (z. B. der Stamm B31) verwendet wurde, werden für europäische Testsysteme heute vorwiegend B. afzelii (z. B. der Stamm pKo) verwendet. Hintergrund ist, dass im Gegensatz zu Nordamerika, wo nur ein human pathogener Borrelienstamm (B. burgdorferi s.s.) bekannt ist, in Europa mindestens drei humanpathogene Stämme (nämlich: B. burgdorferi s.s., B. afzelii, B. garinii) vorkommen. Weitere Kandidaten (z. B. B. valaisiana) sind bekannt und führen möglicherweise ebenfalls zu Infektionen beim Menschen. Zusammengefasst werden alle diese Borrelienstämme unter dem Überbegriff B. burgdorferi sensu lato (s.l.) und sind von den Rückfallfieber-Borrelien abzugrenzen.

Wegen dieser Erregerheterogenität wurde ein Antigen gesucht, welches die Antikörper gegen möglichst viele Borrelienstämme erkennen kann. Hier wurde B. afzellii als am besten geeignet gesehen. In letzter Zeit nimmt jedoch die Kenntnis zu, dass unterschiedliche Borrelienstämme zu unterschiedlichen Organmanfestationen führen können. Bei der Neuroborreliose (NB) wird z.B. mit Abstand am häufigsten B. garinii isoliert und diese Tatsache wirft die Frage auf, ob zur Diagnose der NB nicht besser B. garinii als Antigen verwendet werden sollte.

Neben diesen Tests, die auf Lysat-Antigenen basieren, werden seit etlichen Jahren Testsysteme mit rekombinanten Antigenen hergestellt. Hierbei werden bekannte Borrelienproteine, z.B. die Oberflächenproteine (outer surface protein = osp) rekombinant hergestellt. Vorteile der rekombinanten Herstellung sind unter anderem, dass nur spezifische Antigene verwendet werden können und auf kreuzreagierende Antigene verzichtet wird. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Konzentration der einzelnen Antigene variiert werden kann und man z. B. für den IgM-Test eine andere Mischung und Konzentration verwenden kann als für den IgG-Test. Des Weiteren besteht die Möglichkeit Antigene verschiedener Borrelienstämme zu kombinieren. Dies ist bei den Lysat-Tests nur in begrenztem Maße möglich.

Wie Sie sehen, eine schwierige diagnostische Herausforderung und am Ende kann man leider nicht immer wissen, ob die entsprechende Antikörpererhöhung noch im „aktiven“ Bereich liegt.

Wir haben uns entschieden auch hier unseren weiterentwickelten HIB Lymphozytentransformationstest anzuwenden, um eventuelle reaktive Belastungen kenntlich zu machen. Bitte lesen Sie dazu unbedingt auch unsere Information über dieses Testsystem.

Dieses Testsystem wenden wir auch auf Wunsch bei dem Verdacht auf reaktive Belastungen von Yersinien, Chlamydien und Streptokokken an.

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