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Darmgesundheit und Hirnerkrankungen

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Darmgesundheit und Hirnerkrankungen 

Ein Artikel von Frau Heilpraktikerin Yvonne Fitzner

Der Einfluss des Darmmikrobiota auf die Entstehung von Depression.

Depressive Störungen sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine häufig vorkommende psychische Störung, die unabhängig vom Alter weltweit ca. 280 Millionen Menschen betrifft und weiterhin aufgrund der steigenden Zahlen eine bedeutende Relevanz im Gesundheitswesen einnimmt (1). Die Erkrankung steht im Zusammenhang mit erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität. Die gegenwärtige Therapie besteht u.a. aus der Verabreichung von antidepressiv wirkenden Medikamenten sowie psychotherapeutischen Interventionen. Präklinische und erste klinische Versuche deuten auf das Potenzial von Darmmanipulationen für die Behandlung von Depressionen hin.
Demnach scheint es einen Zusammenhang zwischen Darmmikrobiotika und der Erkrankung Depression zu geben. Das Konzept der Darm-Hirn-Achse nimmt eine zunehmende Rolle bei der Behandlung von Depressionen ein (2).

Was ist eine Depression?

Depressive Störungen zeichnen sich durch ein chronisches Syndrom mit einer komplexen Ätiologie aus. Hierbei nehmen eine Vielzahl biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren eine prägnante Rolle ein. Aufgrund der multifaktoriellen Ätiologie dieser Störungsgruppe, sind die zugrunde liegenden Regulationsmechanismen nach wie vor nicht vollständig geklärt (3).

Die Major Depression wird zu der Hauptgruppe der Depressiven Störungen zugeordnet und repräsentiert den klassischen Prototypen dieser Störungsgruppe. Charakteristisch sind einzelne Episoden, die mindestens 2 Wochen mit den dazugehörigen Symptomen andauern. Das Symptombild der Erkrankung ist von einer Veränderung im Affekt (Verhalten), der Kognition (Gedankenerleben und Gedankenausdruck) sowie neurovegetativen Funktionen charakterisiert. Zwischen den Episoden sind Remissionen (Rückgang der Krankheitssymptome) zu verzeichnen (4).

Typische Symptome einer Depression

Zu den Leitsymptomen zählen:

  • Gedrückte, depressive Stimmung
  • Interessenverlust, Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Weiterhin gibt es zahlreiche Nebensymptome. Hierzu zählen u.a.:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Psychomotorische Agitiertheit oder Hemmung
  • Hoffnungslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Appetitstörungen
  • Suizidgedanken, Suizidhandlungen
  • Psychosomatisches Erscheinungsbild (Schmerzen, Unwohlsein,

vegetative Symptomatiken meist ohne klinischen Befund)

  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Sozialer Rückzug (2)
  • u.v.m.

Frauen sind von der Depression doppelt so häufig betroffen wie Männer. Überlastung durch das Vereinen von Familie und Beruf sowie die Betreuung von Angehörigen können durchaus relevant bei der Krankheitsentstehung sein. Bei Männern werden Arbeitsverlust oder die Pensionierung  als häufige Auslöser identifiziert. Eine Depression kann weitere somatische Erkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Diabetes begünstigen. Demzufolge ist eine Behandlung der Depression auf vielerlei Ebenen wichtig und hat einen positiven Einfluss auf die psychische wie auch physische Gesundheit (2).

Was versteht man unter der Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse?

Unter der Darm-Hirnachse wird eine bidirektionale Kommunikation (Übertragung in beiden Richtungen) zwischen dem Magen-Darm-Trakt und dem Gehirn beschrieben. Demzufolge ist ein Zusammenhang zwischen den peripheren intestinalen Funktionen und dem Verhalten zu erkennen. Darmmikrobiotika nehmen eine entscheidende Rolle bei der Kommunikation mit dem Gehirn ein. Aus diesem Grund wird auch von der Mikrobiota-Darm-Hirnachse gesprochen.

Die humanoide Darmmikrobiotika besteht aus Billionen symbiotischen Bakterien, Viren und Pilzen, die einen Einfluss auf das Gehirn und das Verhalten ausüben. Bis heute ist allerdings noch nicht vollständig erforscht, wie sich die Kommunikationswege zwischen Darm und Gehirn im Speziellen darstellen.

Bekannt ist jedoch, dass in der Darm-Hirn-Kommunikation neben den Hormonen und Neurotransmittern, die sowohl im Gehirn als auch im Darm gebildet werden, insbesondere der Vagusnerv, das Immunsystem, die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) sowie die kurzkettigen Fettsäuren eine entscheidende Rolle einnehmen (5).

Therapeutische Darmmanipulation bei Depression ?

Die Beeinflussung der Darm-Hirn-Achse kann über den Magen-Darm-Trakt anhand unterschiedlicher Möglichkeiten geschehen. Die Beschaffenheit der Darmbakterien können schon durch eine Veränderung in der Ernährung gesteuert werden. Präbiotika, Probiotika und Postpiotika sind die wichtigsten Stoffe für den Darm. Über die Darm-Hirn-Achse kann ein positiver Effekt auf die Psyche beobachtet werden. Sie werden daher auch  als Psychobiotika bezeichnet. Probiotika sind Ballaststoffe, die für die Darmbakterien als Nährstoffe fungieren. Mittlerweile gibt es aus aktuellen Forschungen erste Hinweise, dass Prä- und Probiotika depressive Symptome positiv beeinflussen können. Allerdings ist die Datenlage noch rudimentär und weitere Forschungen sind von Nöten, um eine fundierte Aussage zu der Wirkweise treffen zu können (5).

Aktuelle Studien und Forschungsergebnisse

Aus vielen Studien geht ein Zusammenhang zwischen Darmsymbiose und Stimmungsstörungen bei Tieren und Menschen hervor. Bei depressiven Patienten sind signifikante Veränderungen ihrer Darmmikrobiota zu verzeichnen. Insbesondere ist ein Rückgang der Bifidobakterien und der Laktobazillen zu beobachten (6). Eine aktuelle randomisierte klinische Pilotstudie (2023) untersucht die Akzeptanz, Verträglichkeit und die Möglichkeit eines positiven Behandlungseffekts von Probiotika als Zusatztherapie bei Depression. Hier konnte gezeigt werden, dass es nach einer 8-Wöchigen Einnahme von Probiotika bei den Studienteilnehmern zu einer stärkeren Verbesserung der depressiven Symptomatik und der Angstsymptome kam. Sowohl die Akzeptanz, Verträglichkeit als auch die geschätzten Effektstärken in Bezug auf die Symptomverbesserung bei Depression erwiesen sich als vielversprechend. Es zeigt sich daher eine hohe Relevanz, hinsichtlich weiterer Forschungen in Bezug auf Probiotika als Zusatzbehandlung für Menschen, die an schweren depressiven Störungen leiden.

Allerdings ist anzumerken, dass bisher nur wenige durchgeführte Studien zu dieser Thematik vorhanden sind. Auch sind weitere Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten erforderlich, um eine fundierte Aussagekraft hinsichtlich der therapeutischen Effizienz treffen zu können (7).

Supplementation von Probiotika oder Präbiotika bei depressiven Störungen?

Unter Anbetracht der voran dargestellten Erkenntnisse hinsichtlich des positiven Effekts von Probiotika auf die Symptomverbesserung bei depressiven Störungen stellt sich die Frage, ob eine Supplementation von Probiotika oder Präbiotika zu empfehlen ist.

Zwar hat eine gezielte therapeutische Beeinflussung der Darmmikrobiotika zu einer Verbesserung der depressiven Symptome geführt, allerdings kann in Bezug zur aktuellen Datenlage noch keine wissenschaftlich fundierte Empfehlung gegeben werden (3)

Jedoch ist hinsichtlich der positiven Effekte, die Probiotika bzw. Präbiotika mit sich bringen, eine gezielte Substitution durchaus eine therapeutische Zusatzmöglichkeit zur Behandlung von Depression.

Unsere Diagnostik:

Unser Stuhlprofil ermittelt das Verhältnis der beiden Arten zur Abgrenzung von Nahrungsmittelausnutzung und Beschaffenheit von ca. 97 % des Mikrobioms (Bacterioides / Firmicutes Ratio)sowie die wichtigen Parameter der aeroben und anaeroben Flora, mykotische Belastungen und Hefen. So ist eine gezielte und individuelle  therapeutische Intervention möglich.

Sie haben Fragen zu einzelnen Parametern oder wünschen eine individuelle Beratung von Heilpraktiker Herr Holger Baumgarte?

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Quellenverzeichnis

Falkai, P., Wittchen, H. U., Döpfner, M., Gaebel, W., Maier, W., Rief, W., … & American Psychiatric Association. (2018). Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5®(2. korrigierte Auflage, deutsche Ausgabe). Hogrefe, Göttingen (4)

Herzog, V.; (2023). Diagnostik und Therapie der Depression. Ars Medici (11+12), 306-308. (2)

Lima-Ojeda, J. M., Rupprecht, R., & Baghai, T. C. (2020). Darmflora und Depression. Der Nervenarzt, 91(12), 1108-1114. (3)

Nikolova, VL.; Cleare, AJ.; Young, AH. & Stone, JM.; (2023). Acceptability, Tolerability, and Estimates of Putative Treatment Effects of Probiotics as Adjunctive Treatment. In: Patients With Depression: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2023.1817. (7)

Piguet, P.; (2019). Die Darm-Gehirn-Achse. Aktuelle Erkenntnisse. Neurex Broschüre (2), 28-32. (6)

Schneider, E., Schaub, A.-C., Roth, J. & Schmidt, A.; (2021) Darm und Depression. doXmedical (2), 7-12. (5)

World Health Organization; (2023). Depressive disorder (depression). https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/depression (1)